5 Methoden zum professionellen Umgang mit Stress

5 Methoden zum professionellen Umgang mit Stress

Gastbeitrag von Assistent Robin

Von der Küchenpsychologie zur Profession: Wie Du in Kürze mit Stress umgehen lernst - wie ein Psychologe/In

„Ich bin total gestresst!“, „Stress’ mich nicht!“, „Vermeiden Sie Stress!“, „Wundermittel gegen Stress!“, Klagen hier, Ratschläge da – Stress scheint sehr präsent zu sein in diesen „stressigen“ Zeiten des gesellschaftlichen Wandels, wie wir ihn aktuell erleben. Andererseits hören wir so viele Ratschläge und doch fehlt meistens der perfekte – wer blickt da eigentlich noch durch? Psychologen* tun es. Und du kannst es auch, wenn du die Arbeitsweise eines Psychologen näher betrachtest. Im folgenden Artikel möchte ich Dir die Kernaspekte eines allgemeinen, psychotherapeutischen Verfahrens näher vorstellen. Diese Methoden sollen dir als Anregungen dienen, um dein Leben und den Umgang mit Stress um einiges zu erleichtern.

* (Der Einfachheit wegen wird in diesem Artikel auf die weibliche Form in ausgeschriebener Form verzichtet. Das heißt nicht, dass Psychologinnen ausgeschlossen sind.)

5 Methoden zum professionellen Umgang mit Stress

Wie arbeiten und denken Psychologen denn eigentlich? Was sind diese Störungen, die sie definieren? Können Psychologen Gedanken lesen? Was macht sie so schlau? Sind sie überhaupt schlau? Haben Psychologen nicht selbst einen an der Meise? Und wie gehen sie mit Stress um?

Vorab: Was ist eigentlich Stress? Was ist psychisches Leiden?

Stress sind empfundene Belastungen, für die ein Mensch keine Umgangs- bzw. Lösungsmethoden kennt oder anzuwenden weiß. Wenn diese Belastungen zunehmen und über längere Zeit nicht weniger werden, kann es zu Leiden kommen. Der psychisch leidende Mensch verhält sich häufig auch sonderbar und/oder kommt bestimmten Tätigkeiten und Anforderungen im Alltag nicht mehr nach. Dies beeinträchtigt meist sein weiteres Befinden, z.B. wenn seine Mitmenschen überfordert sind und sich deswegen abwenden. Ein Psychotherapeut bekommt dann oft den Auftrag, das psychische Leiden eines Menschen durch Beratung zu reduzieren bzw. seine Lebenszufriedenheit zu erhöhen. Wie macht ein Psychologe das?

Wesentliche Arbeitsmethoden aus der psychologischen Gesprächstherapie und wie Du sie als professionelle Stresskiller nutzen kannst

Hier siehst du eine Auflistung von wesentlichen Arbeitsmethoden aus der psychologischen Gesprächstherapie, die du dir selbst beibringen kannst, um souverän mit deinen persönlichen Belastungen umzugehen.

  1. Verstehen (Problemanalyse & -definition)
  2. Gedankenlesen (Klarheit schaffen)
  3. Mitgefühl (Mit Empathie verstehen & die Bedürfnisse ergründen)
  4. Distanz (Konflikte erkennen & Ansichten hinterfragen)
  5. Beratung (Lösungsmöglichkeiten aus Erfahrungen aufzeigen)

1. Verstehen – Problemanalyse & Problemdefinition

Ein ganz wesentlicher Aspekt in der Therapie ist das Zuhören des Therapeuten. Dieser hört aktiv zu und hakt nach, wenn er etwas nicht versteht. Er beurteilt die Situation des Klienten nicht nur mit seiner professionellen Erfahrung, sondern auch mit besonderer Empathie (Einfühlungsvermögen). Dabei ist er sehr genau und kritisch im Detail.

Ist dir es auch schon mal passiert, dass sich ein Problem gelöst hat, als du es jemandem ausführlich erklärt hast? Das passiert des Öfteren in der Therapie. Wenn wir einer Person, die gut zuhört und aufmerksam ist, etwas erklären, dann geben wir uns besonders Mühe und nehmen uns extra Zeit (wenn auch nur kurz). Dabei verstehen wir uns selbst besser und betrachten uns in einem anderen Licht. So kommt es dann zu Einsichten und oftmals schon zu Problemlösungen.

Aus dieser wichtigen Arbeitsmethode ergeben sich drei goldene Tipps für den Alltag eines jeden:

  1. Nimm dir Zeit, um dir über deine Situation klar zu werden. Wann kommt der Konflikt auf, wie fühlst du dich, wo befindest du dich, ist es an anderen Tagen anders? Sei dabei sehr genau und kritisch.
  2. Suche dir einen guten Freund, der dir genau und aktiv zuhört, d.h. der versucht dich zu verstehen.
  3. Übe selbst aktiv und genau zuzuhören, denn so lernst du auch über andere und über dich. Außerdem bewirkt dein Engagement Sympathie bei deinem Gegenüber. Oftmals möchte sich die andere Person dann revanchieren und wird zu einem guten Zuhörer.

2. Gedankenlesen – Klarheit schaffen

Viele Menschen glauben anscheinend, dass Psychologen Menschen besser kennen als sie sich selbst. Das begeistert und beängstigt. Doch tatsächlich schöpft ein Psychologe nur aus seiner außergewöhnlichen Menschenkenntnis und erkennt Muster in den Denkweisen und Überzeugungen. So kann er auch manche Handlungen vorhersagen. Man weiß, dass auf ein bestimmtes Ereignis eine Reaktion folgt, die individuell verschieden ist und sich aus der Interaktion von Personeneigenschaften und der Situation (bzw. Umwelt) ergibt. Auf ein bestimmtes Ereignis reagiert jeder Mensch für ihn einzigartig mit einem Gefühl (affektiv), bestimmten Gedankengängen (kognitiv) und bestimmten Verhalten (behavioral). Dies passiert sehr oft unbewusst.

In sofern hatte Sigmund Freud recht bzw. das Vorurteil des Gedankenlesens scheint in mancher Hinsicht zu stimmen. Freud sorgte für viele grundlegende Erkenntnisse in der Psychologie, wie dass große Teile der eigenen Psyche der Person selbst nicht zugänglich sind und die Aufgabe des Therapeuten unter anderem darin liegt, diese Unbewussten Prozesse dem Patienten bewusst zu machen.

Doch er hat auch viel verwerfliches getan und viele seiner Ansichten werden heute nicht mehr wissenschaftlich akzeptiert. Unter anderem waren seine Erklärungen für das Verhalten von Personen nicht wissenschaftlich fundiert und basierten auf seinen eigenen Vorstellungen. Es kam zu obszönen Theorien wie des Penisneids, der Kastrationsangst oder dem Elekta- bzw. Ödipuskomplex.

Was können wir dennoch aus diesen Lehren für uns schlussfolgern?

Werde dir über deine Gedanken und Gefühle bewusst. Dazu kannst du am besten Tagebuch schreiben oder dir andere Notizen machen. Ganz wichtig ist dabei auch die Situation zu betrachten, in der du dich befunden hast, als dein Problem aufgetaucht ist. Mit der Zeit lernst du dich viel besser kennen.

Nimm dir extra Zeit, um dir über dich generell bewusst zu werden. Denke nicht zwischendurch und vor allem nicht im Bett (!!!) über deine Probleme nach, sondern schaffe dir einen Zeitraum, wie z.B. durch das abendliche Tagebuch schreiben. Es dauert etwas bis zur Regelmäßigkeit, aber der Effekt ist der Hammer!

Übe Achtsamkeit. Das ist die Fähigkeit im Hier und Jetzt ganz aufmerksam den Moment wahrzunehmen und dich konzentriert einer Sache zu widmen. Achtsamkeit ist eine weitverbreitete Methode für die Gesundheit der Psyche und auch körperlich wirksam. Man hat herausgefunden, dass sogar die Lebenslänge von Menschen die Achtsamkeit üben höher ist und auch die Lebenszufriedenheit ansteigt. Du wirst dir über dich und deine Umgebung bewusster und bekommst ein Gefühl der Kontrolle. Schaue im Internet nach Anleitungen wie z.B. Videos und übe es auch beim Schokolade essen oder generell im Alltag.

3. Mitgefühl – Mit Empathie verstehen & die Bedürfnisse ergründen

Carl Rogers, der Begründer der klientenzentrierten Psychotherapie und ein hochangesehener Psychologe der humanistischen Therapietradition, sagte mal:

Wir denken, wir würden zuhören, doch tatsächlich hören wir kaum mit echtem Verständnis zu, kaum mit wahrer Empathie. Doch Zuhören auf dieser speziellen Weise ist eine der mächtigsten Kräfte für Veränderungen, die ich kenne.“.

Die Betonung liegt hier auf der Empathie, die wir für unsere Mitmenschen aufbringen. Wir sind alle zu gewissen grundlegenden Anteilen gleich. Und wenn wir uns das klarmachen und wir einander zuhören und Verstehen, dann tragen wir ein Leid ein Stück gemeinsam. Das heilt die Seele und erleichtert. Wir sind alle Menschen, wie die Psychologen, alle mit den gleichen Veranlagungen und Gefühlen. Alle mit der einen Sprache, die uns zur Verständigung nützt. Alle mit den gleichen Bedürfnissen, wie Liebe, Wärme, Sicherheit usw.. Ein Therapeut konzentriert sich genau darauf und der Klient fühlt sich durch diese menschliche Nähe wertgeschätzt. Man lernt seine Gefühle und Wünsche, seine Bedürfnisse wieder mehr zu beachten und wertzuschätzen.

An dieser Stelle möchte ich unbedingt mit einem sehr gefährlichen Vorurteil aufräumen: „Nur Verrückte gehen zu Psychologen“. Das ist völliger Humbug. Es kommen zahlreiche Menschen zu Therapeuten, die verzweifelt sind und Leiden, weil sie Konflikte durch besondere (schlechte) Erfahrungen erleben und nicht weiter wissen. Manche Menschen versuchen zahlreiche Dinge zur Lösung, bevor sie zum Therapeuten gehen und deswegen kann ihr Verhalten komisch wirken – man bezeichnet diese vorschnell als verrückt und wendet sich ihnen ab ohne einmal richtig zugehört zu haben. Das ist eine Schande! Durch dieses Vorurteil bzw. durch das mangelnde Einfühlungsvermögen leiden die betroffenen Menschen noch mehr.

Nun aber zu den Kernaspekten, die ich aus dieser Arbeitsmethode dir nahelegen möchte:

  1. Akzeptiere dich selbst, d.h. akzeptiere deine Gefühle und ergründe, warum du so fühlst. Welche Wünsche und Bedürfnisse hast du?
  2. Stehe für deine Gefühle und für dich ein. Niemand kann dich für deine Menschlichkeit verurteilen. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Es gibt gute Gründe, warum du so fühlst, wie du fühlst und warum du so bist, wie du bist. Wertschätze dich, wie du eben bist.
  3. Höre auf dein Bauchgefühl. Lerne dein Bauchgefühl kennen. Studien weisen darauf hin, dass bei großen Entscheidungen nach langer rationaler Abwägung und Beurteilung am Ende das Bauchgefühl entscheiden sollte, um langfristig Zufriedenheit zu erfahren. Dein Bauchgefühl ist dein Lebenskompass. Deine aktive Lebensgestaltung sollte hier anfangen.

4. Distanz – Konflikte erkennen & Ansichten hinterfragen

Jeder Mensch denkt in Schubladen. Wir brauchen diese, um die riesige Datenflut im Alltag zu verarbeiten, damit wir handlungsfähig bleiben und Entscheidungen treffen können. Diese Schubladen entstehen aufgrund unserer individuell verschiedenen Erfahrungen. So wird z.B. ein Mensch, der ständig schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen macht, ein schlechtes Menschenbild entwickelt haben (die Schublade: die Menschen sind schlecht), wodurch er in Zukunft allen anderen Menschen sehr misstrauisch gegenüber ist.
Wir haben aber auch eine natürliche Neigung dazu in Schubladen zu denken. Andererseits machen wir es uns gerne mal zu einfach. Dabei tun wir auch anderen mit unseren Vorurteilen Unrecht an, wenn wir z.B. fremdenfeindlich handeln oder Frauen aufgrund alter Rollenbilder irgendwelche Schwächen zusprechen. Das ist vermutlich auch ein wesentlicher Grund, warum Vorurteile und Stereotype schnell zu öffentlichen Debatten führen. Es ist gut, dass wir darüber reden und nachdenken.

Doch nicht immer sind diese Schubladen bzw. Denkmuster bekannt. In der Psychotherapie nutzt der Therapeut sein Wissen aus Studium, Berufsausbildung und Praxiszeit (Mindestdauer insgesamt 8 Jahre bei Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten der Verhaltenstherapie), um die für eine Störung spezifischen Denkmuster zu erkennen und einen Ausweg daraus zu zeigen. Dies ist mit Distanz gemeint. Die Konflikte werden objektiv umzeichnet und entsprechende Ansichten hinterfragt. Andererseits sind es nicht immer die Denkmuster bzw. Erfahrungen des Klienten die Probleme erzeugen. Auch Situationen, in denen der Leidende sich häufig befindet, die er noch nie als Konfliktursache wahrgenommen hat, sind mögliche Ursachen. Doch es gibt noch mehr Erklärungen und die sind individuell verschieden und zu analysieren.

Nun, was kann man aus diesen Aspekten für hilfreiche Tipps für den Alltag ziehen? Hier kommen drei Vorschläge:

  1. Denke einen Tag immer das Gegenteil. Zum Beispiel könntest du anstatt täglich hunderte Male festzustellen, was du nicht bist, darauf schauen, was du alles bist! Oder du könntest statt die üblichen Wege im Alltag zu nehmen einfach mal einen neuen einschlagen und sehen wie dein sonstiger Alltag aus etwas Distanz aussieht.
  2. Sei offen für Neues und andere Ansichten. Wie oft hast du dich im Nachhinein schon darüber gewundert, wie uneinsichtig du früher warst? Wie oft hast du schon Lösungen gefunden, die du nicht für möglich gehalten hast? Auch wenn es wenige Male sind, es beweist: es gibt auch andere Möglichkeiten.
  3. Rede mit anderen, verschiedensten Menschen. Verschiedene Menschen haben verschiedene Vorstellungen und Erfahrungen. Dies ist bereichernd. Frage mal andere, wie sie gewisse Probleme betrachten und damit umgehen.

5. Beratung – Lösungsmöglichkeiten aus Erfahrungen aufzeigen

Ein Psychotherapeut zeigt fast immer nur Lösungswege auf, doch die Verantwortung für das eigene Wohl hat jeder Mensch selbst. Der Rat des Psychologen basiert auf einer ausgefeilten Expertise und Berufserfahrungen, wodurch er typische Verhaltensmuster erkennt. Doch er kann nicht mehr machen, als eine Betrachtung von Konflikten anzubieten und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Eine positive, engagierte Haltung des Klienten ist für den Therapieerfolg essentiell. Der erste Schritt zum Aufsuchen eines Therapeuten ist bereits teil einer konstruktiven Haltung.

Übrigens, junge Therapeuten haben manchmal die Schwierigkeit, dass Klienten ihre Expertise nicht respektieren, weil sie „kaum Erfahrung“ haben. Doch das stimmt nicht generell. Wie bereits erwähnt dauert das Studium und die Ausbildung fast ein Jahrzehnt und beinhaltet viel Praxiserfahrung. Außerdem sind Psychologen selbst Menschen. Das Problem junger Therapeuten ist wahrscheinlich die Theorie in die Praxis zu übertragen und dabei noch ein natürliches Gemüt zu bewahren, weil es nämlich sehr anstrengend ist. Das erfordert etwas Geduld seitens des Klienten, macht aber die Qualität der Beratung nicht schlechter.

Zu diesem letzten Punkt leite ich drei Aspekte für den Alltagsgebrauch ab:

  1. Frage nach Hilfe und Rat bei deinen Mitmenschen. Nicht jeder nimmt sich die Zeit und deine Probleme ernst. Du musst dich selbst dafür einsetzen. Wenn du aber leidest und nicht weiter weißt, dann gehe zum Experten (Psychotherapeuten/In) – du musst nicht leiden!
  2. Lese viel und sei aktiv. Denn viele Menschen haben ähnliche Probleme und so manches Problem löst sich auch ganz unerwartet, wenn man die Augen und Ohren offen hält.
  3. Es ist häufig schwierig, doch nimm eine positive Haltung an und du wirst leichter werden. Bereits 4 Minuten am Tag künstlich zu lächeln ändert deinen Hormonhaushalt zum positiven Gleichgewicht.

Abschließend möchte ich ergänzen, dass eine ständige Fokussierung auf das Problem auch von Nachteil sein kann. Manches müssen wir einfach vergessen lernen, manchmal tut es gut Dinge einfach zu akzeptieren. Wenn aber nix klappt, ist ein professioneller Rat die beste Strategie, um wieder gesünder, stressfreier zu leben.

Falls du noch Fragen hast, steht dir der Kommentarbereich unten zur Verfügung. Ich bin gespannt und freue mich auf deine Reaktionen!

Liebe Grüße,
Ulis Assistent – Robin

Robin Preuß

Ich bin Ulrikes Assistent, Robin. 
Zurzeit studiere ich im 4. Jahr Psychologie.

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