Das Geschenk des Grüßens – Mit Ablehnung positiv umgehen

Das Geschenk des Grüßens – Mit Ablehnung positiv umgehen

Heute sieht man immer weniger Menschen, die sich gegenseitig grüßen, wenn sie sich sehen. Natürlich grüßt man einen guten Freund, einen Bekannten oder Verwandten. Aber man muss sich schon wirklich gut kennen, um Hallo zu sagen. Früher war das anders. Früher hat man jeden gegrüßt, dem man im Dorf begegnet ist. Und auch ich bin mit der Idee aufgewachsen, den Menschen, die ich treffe, freundlich zu begegnen und sie zu grüßen. Ich wuchs in einer Stadt auf mit damals ca. 350 000 Einwohnern. Das heißt natürlich, dass ich nicht jeden gegrüßt habe, dem ich in der Fußgängerzone begegnet bin. Aber wenn wir gemeinsam auf den Feldern am Stadtrand spazieren gingen, war es klar, dass andere Spaziergänger von uns gegrüßt worden sind und sie grüßten zurück. Auch wenn ich im Auto unterwegs bin und ich lasse jemanden vorbei oder er mich, grüße ich kurz mit einem Handzeichen.

 

Ich habe das Gefühl (und das kann sehr subjektiv sein!), dass das Grüßen früher mehr an der Tagesordnung war als heutzutage. Damit habe ich persönlich ein Stück weit gehadert. Schließlich bin ich mit dieser Idee groß geworden und dennoch ist es mir oft begegnet, dass mein Gruß nicht erwidert wurde. Das hat dann in mir ein mulmiges Gefühl ausgelöst. Ich habe mich schlecht gefühlt, ein bisschen zurückgewiesen. Irgendwann hatte ich überhaupt keine Lust mehr, meinen Mund aufzumachen, wenn mir jemand entgegen kam. “Wie der wohl wieder reagiert?!”

Gleichzeitig habe ich mich aber auch nicht gut gefühlt, wenn ich mich gegen mein inneres Bedürfnis gestellt habe und denjenigen, der mir über den Weg lief, ignorierte. Eine blöde Situation. Wie man’s macht, schlechte Gefühle!

Heute wohne ich auf dem Land und gerade da finde ich total schön, wenn man Leuten, die einem begegnen “Hallo” sagen kann. Das muss ja nicht gleich eine lange Konversationen geben. Nur ein kleines Lächeln, ein Nicken, ein Sehen und Gesehenwerden.

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Wie sollte ich jetzt also mit dieser Diskrepanz umgehen?  Es hat für mich eine Weile gedauert einen brauchbaren Weg zu finden. Aber ich bin ja immer gern auf Lösungssuche unterwegs! Mittlerweile mache ich das so: Ich grüße die Menschen, die mir begegnen und lächle ihnen freundlich zu. Gleichzeitig erwarte ich aber nicht von Ihnen, dass Sie zurück lächeln, dass sie auch etwas sagen oder hochschauen. Und dass, ohne dass ich mich insgeheim doch doof dabei fühle!

Es ist völlig in Ordnung für mich, wenn sie einfach weitergehen. Ich stelle mir vor, wie ich, indem ich diesen ärgerlich aussehenden Menschen grüße, z.b. den ärgerlichen Teil in mir grüße. In einem sehr hektischen Mann mit großen Schritten, den beschäftigten Teil in mir. Oder in dem Mädchen, das einfach gerade so viele Sorgen hat, dass es keine Kapazitäten mehr hat, aufzugucken, den sorgenvollen Teil in mir.

Dann fühle ich mich besser. Besser, weil ich die Person grüßen konnte, aber auch weil ich einen Teil in mir grüßen konnte, der mir vielleicht selten bewusst ist und der es gut gebrauchen kann. Denn wir alle haben sie in uns: Den Sorgenvollen, den Hektischen, den Genervten, den Schüchternen. Wir alle kennen diese Qualitäten.

Ablehnung - Ich grüße auch wenns komisch ist!

Ich freue mich dann, dass ich diesen Teil in mir und meinem Gegenüber grüßen konnte. Und auch darüber, dass ich erkennen kann, dass mein Gegenüber so viel mehr ist, als dieser eine Teil, der gerade sichtbar ist. Und dieses soviel mehr, sein Wesen als Ganzes grüße ich auch.

Ob er mich zurück grüßt oder nicht, ist dann plötzlich nebensächlich geworden. Ich freue mich, dass ich so viel erkennen kann, in diesem Moment. Dass ich das Leben in seinen Variationen schätzen kann: In meinem Gegenüber und in mir selbst.

Und wer weiß, was mein Gruß in meinem Gegenüber bewirkt. Nur weil ich es nicht sehe, heißt das nicht, dass es ihn nicht freut. Wer weiß?

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Danke für das Grüßen . Ich grüße dich!

    1. Vielen Dank! Auch Dir herzliche Grüße! 😀

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