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Blogreihe psychische Erkrankungen: Zwangsstörungen

Gastbeitrag von Assistentin Janina

Jeder hat so seine Routinen im Alltag, häufig sprechen wir dabei in der Umgangsspprache auch von Tics. Dazu gehört beispielsweise, wenn wir vor dem Verlassen der Wohnung nochmal alle Fenster kontrollieren, ob sie auch wirklich geschlossen sind, oder unbedingt das Bett ordentlich gemacht sein muss, bevor man geht. Vielleicht darf auch gewisses Essen auf dem Teller nicht vermischt werden oder der Kalender im Büro muss immer auf dem aktuellen Datum stehen. Erkennst Du Dich hier wieder? Welche Routinen bzw. Tics hast Du? 

Kritisch werden solche Tics, wenn sie zwanghaft werden, d.h. wenn sie zunehmend zeitintensiv sind und die Alltagsbewältigung sowie Funktionsfähigkeit eines Menschen beeinträchtigen. Man spricht dann von einer Zwangsstörung. Hiervon sind Männer gleich häufig betroffen wie Frauen. Symptomfreie Zeiten gibt es bei Zwangsstörungen nicht, jedoch ist die Intensität von sonstigem Stress im Alltag abhängig.   

Symptome und Merkmale

Zwangshandlungen und Zwangsgedanken sind die Hauptsymptome dieser Erkrankung. Erstere sind Verhaltensweisen mit dem Zweck, die durch Zwangsgedanken ausgelöste Angst zu neutralisieren. Typische Beispiele sind einerseits das zwanghafte Hände waschen, was aus der Angst vor einer Ansteckung resultiert oder anderereseits das zwanghafte Kontrollieren, ob der Herd ausgeschaltet ist. Sogenannte Kontrollzwänge folgen oftmals bestimmten Mustern, beispielsweise einer konkreten Häufigkeit (13 – Mal kontrollieren). Wird das “Ritual” nicht ausgeführt, empfindet der/ die Betroffene extreme innere Unruhe, Anspannung und Angst, welche erst nachlassen, wenn sie den Zwängen nachkommen. Beim zwanghaften Händewaschen wird zudem deutlich, dass es nicht wirklich um die Vermeidung einer Ansteckung geht, sondern um das Wegwaschen des unangenehmen Gefühls der Angst. Denn die durch das ständige Waschen zerstörte Haut ist besonders anfällig für Keime.

Zwangsgedanken meinen als störend und unpassend empfundene Inhalte, die sich immer wieder aufdrängen und Angst auslösen. Beispiele hierfür sind Gedanken beim Autofahren, das Lenkrad einfach herumzureißen, seinem Kind etwas anzutun oder an Keime in der Umgebung.

Entstehung und Behandlung

In vielen Studien wurde mittlerweile belegt, dass Zwangsstörungen unter anderem eine genetische Ursache haben können, da Verwandte von Patienten mit einer solchen Erkrankung ein deutlich erhöhtes Risiko aufweisen, ebenfalls zu erkranken.

Ferner sind psychologische und neurobiologische Faktoren ursächlich für die Entwicklung einer Zwangsstörung. Die Neurobiologie betreffend sind die Basalganglien im Gehirn der Patienten ausschlaggebend bei Zwangsstörungen. Sie sind zuständig für die Hemmung und Initiierung von gedanklichen Abläufen und Bewegungsimpulsen. Bei Zwangspatienten werden betsimmte Handlungen und Gedanken weitergeleitet, während diese bei Gesunden gar nicht erst ins Bewusstsein gelangen.

Oft wird bei der Behandlung von Zwangsstörungen eine Kombination aus medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung gewählt, insbesondere bei schweren Ausprägungen. Die Betroffenen werden in der Psychotherapie mit ihren Zwängen konfrontiert, müssen lernen diese zu unterdrücken und die damit einhergehenden negativen Gefühle auszuhalten, sodass diese mit der Zeit nachlassen.

Es ist jedoch anzumerken, dass die meisten Zwangsstörungen nie gänzlich geheilt werden, sondern Restsymptome bleiben, die aber dennoch eine Alltagsbewältigung ermöglichen. Therapeuten müssen viel Zeit und Konsequenz aufwenden, damit die Therapie erfolgreich sein kann. Günstig ist außerdem, wenn die Störung erst im Erwachsenenalter auftritt und/oder möglichst früh eine Behandlung in Anspruch genommen wird.

Schwierigkeit

Betroffene einer Zwangsstörung können ihre Zwänge besonders gut verheimlichen, besonders vor Familienmitgliedern und auch Therapeuten, da sie sich selbst dafür schämen und die Zwänge teilweise auch als sinnlos erleben. Die Verheimlichungsstrategie funktioniert jedoch nur so lange, bis die Intensität der Zwänge zu Problemen im Alltag, mit dem/der Partner/in oder im Beruf führt.

Hast Du das Gefühl Deine Routinen sind doch mehr als nur reine Routinen? Kannst Du einfach damit aufhören oder löst dies Angst oder Unruhe bei Dir aus? Kannst Du ein derartiges Verhalten bei Freunden oder in der Familie feststellen?

Du brauchst Dich nicht zu schämen!

Gerne kannst Du auch eine Einzelsitzung buchen, um Dich beraten zu lassen.

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Ich bin Ulrikes Assistentin, Janina