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Systemische Therapie

Das soziale System im Fokus

Gastbeitrag von Assistent Dominic

„Mein Umfeld macht mich krank!“ oder „Die Beziehung zieht mich herunter!“, sind Aussagen, die Klienten dem Therapeuten des Öfteren entgegnen. Innerhalb der systemischen Sichtweise werden solchen Aussagen verstärkt Aufmerksamkeit geschenkt. Bei der systemischen Therapie handelt es sich um eine psychotherapeutische Therapieform, welche die Annahme verfolgt, dass der Schlüssel zum Verständnis und zur Veränderung von seelischen Beschwerden und interpersonellen Konflikten weniger in einer Person allein liegt, sondern im sozialen Kontext, in dem das Problem steht, zu finden ist. Individuelles Verhalten wird in der systemischen Arbeit somit immer vor dem Hintergrund der sozialen Umwelt, dem sog. sozialen System betrachtet (z.B. Partnerschaft, Familie, Arbeitsumfeld etc.). Die systemische Therapie kann entweder im Einzel- oder Gruppensetting durchgeführt werden. Im Rahmen des Gruppensettings wird vor allem mit Familien, Ehepaaren und Arbeitskollegen gearbeitet.

Systemische Therapie: Denken in Beziehungen

Man ist oft dazu verleitet, das Verhalten einer Person im sozialen Kontext durch Zuschreibung von Motiven („Das hat A gemacht, weil er/sie auf B neidisch war!“) oder durch Hypothesen über körperliche oder seelische Zustände („Sie ist krank!“, „Er ist einfach  bösartig!“)  zu erklären. Die systemische Therapie hingegen verfolgt den Ansatz, dass Probleme und Krankheitssymptome einer Person im Kontext ihres soziales Referenzsystems, häufig der Familie, erklärt und behandelt werden können. Der Fokus wird somit weg vom Individuum, hin auf das Interaktionsgeschehen zwischen den Mitgliedern eines Systems verlagert. Symptome bzw. das was Patienten oft als problematische, störende Verhaltensweisen ansehen, nehmen eine Stellvertreterrolle ein und werden als Ausdruck einer gestörten Systemdynamik angesehen. Der Klient wird zum „Symptomträger“ eines gestörten Systems.

Systemtherapeutische Ansätze

Die systemische Therapie ist ein Sammelbegriff für vielfältige Ansätze. Im Folgenden möchte ich Dir ausgewählte systemtherapeutische Ansätze vorstellen.

Familientherapie (Virginia Satir)

Die amerikanische Psychologin Virgina Satir erkannte in der Arbeit mit ihren Patienten, dass es erfolgsversprechender sein kann, die Familie als Ganzes in den Blick zu nehmen, anstatt einen Patienten isoliert zu behandeln. Der systemische Blick auf Familien geht davon aus, dass Verhalten, Kommunikation und Rollen der einzelnen Familienmitglieder nicht von dem Verhalten der anderen Mitglieder der Familie getrennt gesehen werden können, da sie alle voneinander beeinflusst werden. Solange ein Patient, weiterhin in das alte, unveränderte Familiensystem eingebunden ist und seine Position innerhalb dessen einnimmt, wird dieser immer wieder in den alten, symptomerzeugenden Zustand zurückfallen. Aus diesem Grund wird in der Familientherapie ein holistischer Ansatz verfolgt, der sowohl das Individuum, als auch das gesamte Familiensystem berücksichtigt. Die systemische Familientherapie verfolgt im Wesentlichen folgende Ziele:

  • Stärkung des Individuums
    • Psychische Probleme entstehen in vielen Fällen, wenn der Selbstwert einer Person zu gering ist. Satir erkannte dies und schrieb der Selbstwertarbeit eine bedeutende Rolle im Rahmen ihrer Familientherapie zu. Personen sollen hierbei u.a. lernen, ihr Handeln nach ihren eigenen Bedürfnissen auszurichten und sich von den Erwartungen ihres sozialen Umfeldes zu distanzieren.
  • Offenlegung und Lösen schädlicher eingefahrener Beziehungsmuster
  • Gemeinsame Bearbeitung von Konflikten
  • Gegenseitige Wertschätzung

Heidelberger Schule (Helm Stierlin)

Helm Stierlin, der ehemalige ärztliche Direktor und Lehrstuhlinhaber der Abteilung für Psychoanalytische Grundlagenforschung und Familientherapie an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg und seine Arbeitsgruppe entwickelten in den 80er Jahren das „Heidelberger Modell“. Dieses Modell weist psychoanalytische Wurzeln auf und ist vergangenheitsorientiert. Die sog. Delegationen nehmen eine zentrale Stellung ein. Vereinfacht könnte man auch von Vermächtnissen sprechen. Die Annahme dahinter ist, dass Eltern bewusst oder auch unbewusst Aufträge an ihre Kinder weitergeben: „Werde du Anwalt, damit du die Kanzlei der Familie übernehmen kannst.“ Oder „Werde du der Sportler, der ich eigentlich immer sein wollte.“ Im Rahmen der Therapie wird berücksichtigt, welche Delegationen aus früheren Generationen erfüllt werden oder nicht erfüllbar sind und dem individuellen

Helm Stierlin, der ehemalige ärztliche Direktor und Lehrstuhlinhaber der Abteilung für Psychoanalytische Grundlagenforschung und Familientherapie an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg und seine Arbeitsgruppe entwickelten in den 80er Jahren das „Heidelberger Modell“. Dieses Modell weist psychoanalytische Wurzeln auf und ist vergangenheitsorientiert. Die sog. Delegationen nehmen eine zentrale Stellung ein. Vereinfacht könnte man auch von Vermächtnissen sprechen. Die Annahme dahinter ist, dass Eltern bewusst oder auch unbewusst Aufträge an ihre Kinder weitergeben: „Werde du Anwalt, damit du die Kanzlei der Familie übernehmen kannst.“ Oder „Werde du der Sportler, der ich eigentlich immer sein wollte.“ Im Rahmen der Therapie wird berücksichtigt, welche Delegationen aus früheren Generationen erfüllt werden oder nicht erfüllbar sind und dem individuellen Verhalten, Erleben und Symptomen einer Person Sinn ergeben. Dem Patienten soll zu einem selbstbestimmten Leben verholfen werden, in welchem er sich von den Erwartungen, die von außen an ihn herangetragen werden, befreit.

Italienische Schule/Mailänder Modell (Palazzoli, Boscolo, Cecchin & Prata)

Das Mailänder Modell setzt die Familie mit einem regelgeleiteten System gleich. Jede Familie entwickelt, oft über Generationen hinweg, ihre eigenen Regeln, die das Zusammenleben und die Interkation innerhalb der Familie bestimmen und das Erleben und Verhalten jedes einzelnen Familienmitgliedes prägen. Diese Regeln können sich auf Aspekte, wie Verhalten, Kommunikation und Rollenverteilungen innerhalb der Familie beziehen. Einige dieser Familienregeln sind offen und werden gemeinsam mit den anderen Familienmitgliedern vereinbart und betroffen z.B. Uhrzeit des Abendessens und Familienrituale bei Geburtstagen. Andererseits existieren in einer Familie auch Regeln, die den Familienalltag bestimmen, ohne allen Familienmitgliedern bewusste zu sein, z.B.: Wer duscht morgens als Erster? Wer bestimmt das TV-Programm? Wer kümmert sich um den Familiennachwuchs, wenn dieser schreit?

Therapieziel dieses Modells ist es, sich den in einem System herrschenden Regeln bewusst zu machen und sich von beengenden und schadhaften interfamiliären Regeln zu befreien und ggf. neue Regeln für die interfamiliäre Interaktion zu erarbeiten.

Systemtherapeutische Ansätze

Erweiterung des Möglichkeitsraums

Das systemische Vorgehen ist dadurch gekennzeichnet, dass eingefahrene Denkgewohnheiten, Verhalts- und Bewertungsmuster innerhalb eines Systems hinterfragt werden. Neue und vor allem mehr Möglichkeiten, Probleme und Symptome zu interpretieren, zu verstehen und damit umzugehen werden eröffnet. Alles, was die Anzahl dieser Möglichkeiten einschränkt, wie Denkverbote oder Tabus sind im systemischen Denken unterwünscht.

Neugierde und Unvoreingenommenheit

Kennzeichnend für den systemischen Ansatz ist eine neugierige und unvoreingenommene Grundhaltung dem Klienten gegenüber. Durch seine Skepsis gegenüber scheinbar offensichtlichen, auf der Hand liegenden, Erklärungen sowie der Offenheit für unkonventionelle Sichtweisen, lädt der Therapeut den Klienten dazu ein, bestehende Deutungsmuster und Sichtweisen zu verstören, und neue Interpretationen und Sichtweisen zu eröffnen und anzunehmen.

Ressourcen- und Lösungsorientierung

Vorhandene Stärken und Fähigkeiten der Klienten werden in der systemischen Therapie unterstützt. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen Ziele, Möglichkeiten und Kompetenzen, nicht Defizite, Probleme oder Krankheitssymptome. Man interessiert sich für und beschäftigt mit der Lösung eines Problems, nicht für oder mit dessen Zustandekommen. Der Klient wird als Experte für sein eigenes Lebens angesehen.

Zirkuläre Hypothesenbildung

Systemisch betrachtet, sind Handlungen sowie Probleme und Symptome eines Klienten zugleich Ursache und Wirkung. Aus diesem Grund wird versucht, lineare Erklärungsmuster („A ist an allem Schuld!“, „B hat damit angefangen“!) aufzulösen und durch zirkuläre zu ersetzen.

Methoden und Arbeitstechniken

Im Folgenden möchte ich Dir einen Einblick in die Vielfalt der kreativen und zugleich praktisch orientierten Methoden des systemischen Arbeitens geben.

Fragetechniken

Ziel des systemischen Fragens ist das Infragestellen der gegebenen Problemkonstellation. Neue Möglichkeiten des Denkens, Fühlen und Handelns sollen eröffnet und scheinbar ausweglose Probleme neu bewertet werden.

  • Zirkuläre Fragen. Anstelle den Klienten direkt zu seinen Gedanken, Gefühlen etc. zu befragen, richtet sich die Frage in indirekter Form an ein anderes Mitglied des Systems.
    • B. „Wenn ich Ihren Mann fragen würde, was Sie in Ihrer Ehe am meisten wertschätzen, was würde er mir antworten?“
  • Lösungsorientierte Fragen. Anstatt sich auf das Problem oder Symptom zu fokussieren, wird die Aufmerksamkeit auf Kompetenzen, Ressourcen und Lösungen gerichtet.
    • Frage nach Ressourcen: „Gibt es etwas, was Ihnen an sich selbst/Ihrer Familie besonders gefällt?“
    • Wunderfrage: „Stelle Sie sich vor, Ihr Problem wäre über Nacht durch ein Wunder verschwunden? Woran könnten Sie als erstes merken, dass sich das Wunder ereignet hat?“

Bildhaftes Arbeiten

In der systemischen Therapie wird häufig anschaulich gearbeitet. Mithilfe eines Genogramms, einer graphischen, stammbaumähnlichen Darstellung der Familienstruktur, können komplexere familiäre und generationsübergreifende Beziehungen und Zusammenhänge abgebildet werden. Organigramme werden eingesetzt, um soziale Systeme außerhalb der Herkunftsfamilie abzubilden. Das bildhafte Arbeiten ermöglicht es, Beziehungsmuster innerhalb eines Systems (z.B. Familie) aufzudecken, die bisher einen nicht bewussten Einfluss auf ein als problematisch empfundenes Verhalten nahmen.

Aufstellungen

Beziehungen innerhalb eines Systems können nicht nur graphisch abgebildet, sondern auch räumlich wahrnehmbar gemacht werden. In der systemischen Praxis haben sich verschiede Varianten der Familienaufstellung etabliert. Im Einzelsetting beispielgebend können stellvertretende Figuren aller Art aufgestellt werden.

  • Familienskulptur (nach Virginia Satir). Der Symptomträger (Indexklient) wird dazu aufgefordert, seine Familie derart im Raum aufzustellen, dass ein aus seiner Sicht stimmiges Bild der Familienbeziehungen entsteht. Der Klient, der sprichwörtlich zum Bildhauer wird, bestimmt welchen räumlichen Abstand (symbolisiert Nähe/Distanz zwischen den Familienmitgliedern) oder welche Gesten (z.B. verschränkte Arme, gesenkter Blick; stellvertretend für die emotionale Haltung des Familienmitglieds) im lebenden Standbild einnehmen. Daraufhin werden die aufgestellten Familienmitglieder gebeten, ihre gegenwärtigen Empfindungen zu beschreiben, während sie in ihrer Position verharren.

(Symptom-)Verschreibungen

Hierbei wird der paradoxen Aufforderung gefolgt, das Gegenteil dessen zu tun, was eigentlich erreicht werden soll. Beispielgebend könnte der Therapeut im Rahmen einer Paartherapie, in der die Ehefrau ihrem Mann vorwirft, im Haushalt nichts zu tun, den Mann dazu auffordern, bis zur nächste Therapiesitzung jegliche Mithilfe im Haushalt willentlich zu unterlassen. Dadurch soll die Erfahrung vermittelt werden, dass das als problematisch angesehene Verhalten nicht unkontrollierbar ist, sondern gesteuert werden kann, sofern man das möchte.

Reframing (Umdeutung)

Beim Reframing wird einem Sachverhalt einen neuen Rahmen verliehen.  D.h., diese systemische Intervention zielt darauf ab, einem „problembehafteten“ Verhalten bzw. einem Symptom eine neue, positivere Deutung beizumessen, als man es in der Vergangenheit getan hat. Ein greifbares Beispiel für Umdeutung ist Tom Sawyer, der mitten im brütend heißen Sommer von Tante Polly dazu verdonnert wird, den Gartenzaun zu streichen. Auf die spöttische Frage seines Freundes Ben, ob ihm die Arbeit Spaß mache, entgegnet er: „Spaß? Warum soll‘s denn kein Spaß sein? Kannst du vielleicht jeden Tag einen Zaun anstreichen?“. Toms Not ist allein durch eine Änderung der Sichtweise, nämlich der Umdeutung in ein Privileg, verschwunden.

 “Am Ende wird alles gut! Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.”

– Oscar Wilde

Wie wir gesehen haben, bietet uns die systemische Therapie ein breites Repertoire, um Probleme zu überwinden, soziale Beziehungen genauer unter die Lupe zu nehmen und sich von beengenden, an unserer Entfaltung hinderlichen Beziehungen, zu lösen oder diese zu ändern.

Höre in Dich hinein, erkenne, was gut für Dich ist und mache die Ausrichtung Deines Lebens und Dein Glück nicht von anderen abhängig. Denke immer daran: Du kannst Deine Einstellung und Dein Verhalten ändern!

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DominicDomhan_Ändern statt Ärgern - In wenigen Schritten zum konstruktiven Umgang mit Ärger

Ich bin Ulrikes Assistent, Dominic

Zurzeit studiere ich im 4. Bachelorsemester Psychologie.